Kloster Hirsau

Das Kloster Hirsau ist eine beeindruckende Klosterruine im Schwarzwald. Es war einmal eines der größten und bedeutendsten Klöster im Gebiet des heutigen Deutschlands. Wenn du heute durch die verfallenen Mauern streifst, erhältst du einen guten Eindruck davon, wie mächtig und riesig die Anlage einmal war. Außerdem sind Ruinen sowieso viel schöner als religiöse Märchenerzählerei.

Auf dieser Seite erfährst du, welche Überbleibsel du vom Kloster Hirsau heute noch erforschen kannst und was die Geschichte des Klosters ist. Keine Angst, ich fasse mich kurz.

Außerdem findest du ein paar praktische Informationen zum Besuch des Klosters und was es rundherum um die Anlage noch zu entdecken gibt.

Zu guter Letzt zeige ich dir noch ein paar Ideen dafür, wo du weitere Klosteranlagen und Klosterruinen im Schwarzwald findest und was es außer alten Klöstern im Schwarzwald noch so gibt.

Wichtige Informationen zum Kloster Hirsau

Die wichtigsten Informationen zum Kloster Hirsau auf einen Blick:

  • Lage der Klosterruine Hirsau: Kloster Hirsau, Klosterhof, 75365 Calw-Hirsau
  • Bau der ersten Kapelle in Hirsau: 765
  • Bau des eigentlichen Klosters Hirsau: 1059
  • Bau des Klosters am heutigen Ort: 1082
  • Name des Klosters in Hirsau: Peter- und Paulskloster oder auch St. Peter und Paul
  • Ordenszugehörigkeit: Benediktinerkloster
  • Zerstörung: 1692 durch Feuer
  • Heutige Nutzung: Ein großer Teil der erhaltenen Gebäude beherbergt heute das Finanzamt Calw. Die Nebengebäude des Klosters sind bewohnt. Manche werden von der Gemeindeverwaltung verwendet. Außerdem gibt es eine Schule und einen Kindergarten.
  • Veranstaltungen: Das jährliche Kulturfestival Calwer Klostersommer in Hirsau findet im Kreuzgang des Klosters statt. Außerdem gibt es das Open-Air-Kino Sommerkino Kloster Hirsau im Klosterhof.

Was vom Kloster übrig ist

Ich habe mit Religion nichts am Hut. Ich halte sie im besten Fall für Märchenerzählerei und im schlechtesten für gefährlich. Deswegen ist mir auch wurscht, dass es das Kloster nicht mehr gibt. Ruinen und Geschichten dagegen mag ich gerne und so ist das Kloster Hirsau, beziehungsweise die Klosterruine, die davon noch übrig ist, ein interessanter Ort. Hier kannst du nicht nur Geschichte erleben, sondern auch den Geist der Vergangenheit spüren. Denn die Anlage ist auch heute noch riesig und erzählt eine ganze Menge über die alte Zeit.

Im Bild: An einem der Eingänge hängt diese Übersichtskarte. Hier siehst du, wie das Kloster Hirsau aufgeteilt war.
An einem der Eingänge hängt diese Übersichtskarte. Hier siehst du, wie das Kloster Hirsau aufgeteilt war.

Immer noch in Benutzung ist eine Kapelle des Klosters Hirsau. Und zwar die Marienkapelle. Sie ist seit Anfang des 18. Jahrhunderts die evangelische Pfarrkirche von Hirsau. Den Brand, der das Kloster einst zerstörte, überlebte die Mareinkapelle unbeschadet.

Besonders gut erhalten sind von der Klosterruine außerdem einer der Westtürme (auch Eulenturm genannt), der Torturm und die Fassaden vom Jagdschloß.

Der Eulenturm wurde zeitweise als Gefängnis genutzt, der Torturm ist heute ein Glockenturm.

Vom Rest der Anlage des Klosters Hirsau stehen nur noch wenige Mauern. Allerdings ist durchgängig gut zu erkennen, wie das Kloster in Hirsau in früheren Zeiten aufgebaut war. Sowohl das große Kirchenschiff der Peter- und Paulskirche als auch der Kreuzgang mit dem Innenhof erzeugen wunderbar eine Idee von der Mächtigkeit des alten Klosters in Hirsau.

Auf dem Bild ist die Ruine des Kirchenschiffs der Peter- und Paulskirche im Kloster Hirsau zu sehen. Eine wirklich große Anlage.
Auf dem Bild ist die Ruine des Kirchenschiffs der Peter- und Paulskirche im Kloster Hirsau zu sehen. Eine wirklich große Anlage.

Vom Kreuzgang des Klosters Hirsau ist auch noch relativ zu sehen. Die Ruinen haben noch deutlich dessen Form. An einer Stelle im Kreuzgang ist sogar das Fundament eines großen Springbrunnens zu finden. Dieser Brunnen steht heute einigermaßen gut erhalten in Bad Teinach.

Im Kloster Hirsau gibt es die Ruinen des Kreuzgangs. Sie sind einigermaßen gut erhalten und geben einen guten Eindruck davon, wie das Kloster einst ausgesehen hat.
Im Kloster Hirsau gibt es die Ruinen des Kreuzgangs. Sie sind einigermaßen gut erhalten und geben einen guten Eindruck davon, wie das Kloster einst ausgesehen hat.
Im Bild zu sehen: Am Rande des alten Klosterhofs von Hirsau befindet sich das Fundament eines großen Brunnens.
Am Rande des alten Klosterhofs von Hirsau befindet sich das Fundament eines großen Brunnens.

Geschichte des Klosters Hirsau

Ganze drei Klostergründungen hat es in Hirsau gegeben.

Die Klosteranlage hat ihre Anfänge vermutlich im 9. Jahrhundert. Eindeutig geklärt ist das bisher aber nicht.

Die erste bekannte Klostergründung in Hirsau war vermutlich im Jahre 830. Das Kloster wurde Aureliuskloster genannt. Den Namen bekam es, weil die aus Mailand herbeigeschafften Knochen des Heiligen Aurelius von Riditio aus dem italienischen Mailand dort aufbewahrt wurden. Über den Heiligen Aurelius ist nicht besonders viel bekannt. Das Kloster bestand ungefähr bis zum Jahr 1000 und verfiel dann.

Die zweite Klostergründung in Hirsau war 1059. Zuvor hatte Papst Leo IX. die Knochen des Heiligen Aurelius wieder ausgraben lassen.

Die dritte und letzte Klostergründung fand schließlich 1082 auf der anderen Seite der Nagold statt. Es erhielt den Namen Peter- und Paulskloster, weil es den Heiligen Peter und Paul geweiht wurde. Das ist die Ruine, die heute besichtigt werden kann. Die Heiligen Peter und Paul waren übrigens zwei der Apostel.

Im Zuge der Reformation wurde das Kloster Hirsau aufgelöst. Danach diente es bis zu seiner Zerstörung durch Soldaten aus Frankreich während des Pfälzischen Erbfolgekriegs als Klosterschule. Wie viele Ruinen diente es den Menschen anschließend als Steinbruch, zum Beispiel für den Wiederaufbau von Calw nach einer Zerstörung.

Ein Teil des Klosters Hirsau wurde übrigens Ende des 16. Jahrhunderts vom Herzog Ludwig zu einem Renaissance-Jagdschloß umgebaut. Das Jagdschloß wurde zusammen mit dem Kloster Hirsau zerstört. Die Zerstörung der beiden Anlagen war im Jahre 1692.

Im Bild: Das Jagdschloß beim Kloster Hirsau und der Torturm liegen im Hintergrund. Im Vordergrund sind der Klosterhof und der Kreuzgang des Klosters Hirsau zu sehen.
Das Jagdschloß beim Kloster Hirsau und der Torturm liegen im Hintergrund. Im Vordergrund sind der Klosterhof und der Kreuzgang des Klosters Hirsau zu sehen.

Seit dem 19. Jahrhundert und bis 1988 fanden verschiedene Ausgrabungen auf dem Gelände der Klosterruine von Hirsau statt. Dadurch hat man viele Erkenntnisse über die Geschichte der Anlage gewonnen.

Wissenswertes zum Kloster Hirsau

Das heutige Finanzamt liegt direkt neben der Stelle, an der sich die Ruinen der Zehntscheuer des Klosters Hirsau befinden. Sozusagen haben sich die Dinge in Hirsau also nicht geändert über die Jahrhunderte. Denn die Zehntscheuer ist nichts anderes als der Ort, an dem die eingetriebenen Steuern in Form von Naturalien gelagert wurden.

Das Skelett des heiligen Aurelius wurde munter herumgereicht. Nachdem es ja schon von Mailand nach Hirsau gereist war, zog es dann 1489 in die neuere Peter- und Paulskirche um. Doch dem nicht genug zog das Skelett 1555 in die Burg Herrenzimmern bei Rottweil um und kurz darauf in die Schloßkapelle Hohenzollern bei Hechingen. 1690 ging die Reise dann weiter ins Kloster Zwiefalten. Erst 1956 kehrte das Gerippe dann teilweise ins Kloster Hirsau zurück. Welche Knochen davon genau betroffen waren, weiß ich allerdings nicht.

In der Jagdschloß-Ruine wuchs bis 1989 eine mehr als 30 Meter hohe Ulme. Sie hat sogar Uhland zu einem langen Gedicht inspiriert. Wegen einer Baumkrankheit hat man sie dann leider gefällt.

Übrigens ist Adolf Hitler Ehrenbürger von Calw-Hirsau.

Im Bild zu sehen ist das hintere Ende der Peter- und Pauluskirche in der Klosterruine von Hirsau.
Das hintere Ende der Peter- und Pauluskirche in der Klosterruine von Hirsau.
Im Bild zu sehen: Ein Tor in der Klosterruine von Hirsau in Richtung des Kreuzgangs und der Marienkappelle.
Ein Tor in der Klosterruine von Hirsau in Richtung des Kreuzgangs und der Marienkappelle.

Museum Kloster Hirsau

Seit 1991 gibt es das Klostermuseum von Hirsau. Es befindet sich in einem der historischen Gebäude. Du kannst dort eine Sammlung von Texttafeln, Bildtafeln und Fundstücken mit Bezug zum Kloster Hirsau finden. Auf diesem Weg kannst du viel über das Leben im Kloster und die Geschichte von Hirsau erfahren.

Das Klostermuseum ist eine Dependance des Badischen Landesmuseums.

Öffnungszeiten und Eintrittspreise

Das Gelände des Klosters Hirsau ist tagsüber frei zugänglich und kostet keinen Eintritt.

Die Marienkapelle im Kloster Hirsau hat die folgenden Öffnungszeiten:

Donnerstag bis Dienstag, Feiertage: 10-18 Uhr
Mittwoch: 10-12 und 15-18 Uhr

Das Klostermuseum des Klosters Hirsau hat von 01. April bis 31. Oktober die folgenden Öffnungszeiten:

Dienstag bis Freitag: 13-16 Uhr
Samstag, Sonntag, Feiertage: 12-17 Uhr

Im Winter ist das Museum geschlossen.

Eintrittspreis für das Museum ist 2,50 €. Es gibt auch Ermäßigungen.

Du findest das Museum zum Kloster Hirsau unter der folgenden Adresse:

Calwer Straße 6
75365 Calw-Hirsau

Die Webseite des Museums findest du hier.

Führungen durch das Kloster Hirsau gibt es ab 60 €. Umfangreichere Führungen, die das Museum und das alte Kloster enthalten, werden auch angeboten.

Anfahrt nach Calw-Hirsau

Das Kloster Hirsau kannst du super mit der Bahn besuchen. Calw-Hirsau liegt nämlich an der Bahnlinie Pforzheim-Tübingen. Vom Bahnhof Hirsau aus kannst du das Kloster in wenigen Minuten zu Fuß erreichen.

Wenn du mit dem Auto kommen willst, kannst du in Hirsau einige kostenpflichtige Parkplätze in der Nähe des Klosters finden. Die Fahrt von Pforzheim aus dauert etwa eine halbe Stunde.

Weitere Klosteranlagen im Schwarzwald

Das Kloster Hirsau ist nicht die einzige bedeutende Klosteranlage im Schwarzwald. Nein, sie ist nicht einmal die einzige Klosterruine im Schwarzwald.

Besonders beeindruckend ist die Klosterruine von Allerheiligen im Nordschwarzwald. Es ist dort zwar nicht mehr ganz so viel übrig wie vom Kloster Hirsau. Jedoch hat der Ort wegen der Blitzschlaggeschichte und dem großen Wasserfall eine ganz besondere Atmosphäre.

Ein schönes und gut erhaltenes Kloster ist das Kloster von Alpirsbach. Auch das Bier von dort ist sehr zu empfehlen.

Recht interessant ist auch das Kloster von St. Blasien im Südschwarzwald. Besonders die große Kuppel der Klosterkirche sticht hier hervor.

Die Umgebung des Klosters

Der Schwarzwald ist reich an tollen Aussichtspunkten. Wo du sie findest und was das Besondere an ihnen ist, kannst du hier erfahren. Viele dieser Aussichtspunkte sind vergleichsweise einfach zu erreichen.

Eine wunderschöne Straße, die mitten durch den Schwarzwald führt und von der aus du viel Aussicht hast und viel Natur entdecken kannst, ist die Schwarzwaldhochstraße. Mehr über sie kannst du hier erfahren. Die Schwarzwaldhochstraße ist eine der besten Möglichkeiten, um einfach und bequem in die höheren Regionen des einzigartigen Mittelgebirges vorzudringen.

Auch der höchste Berg des Nordschwarzwalds ist nicht weit vom Kloster Hirsau entfernt. Mehr über die Hornisgrinde kannst du hier erfahren. Ein Besuch der Hornisgrinde lohnt sich unbedingt. Auf ihrem Gipfel findest du nicht nur eine verwunschene Moorlandschaft, sondern hast auch einen atemberaubenden Blick über die Rheinebene bis nach Frankreich.

Einer der schönsten Berge des ganzen Schwarzwalds ist das Herzogenhorn. Es liegt am anderen Ende des Schwarzwalds und ist vom Kloster Hirsau aus mit dem Auto in etwa zweieinhalb Stunden erreichbar. Mehr über das Herzogenhorn kannst du hier erfahren.