Makrofotografie

Die Makrofotografie ist ein Bereich der Fotografie, der sich mit der Nahaufnahme von kleinen Gegenständen und Lebewesen beschäftigt. Wenn du dich dafür entscheidest, die Makrofotografie auszuprobieren und zu lernen, dann wirst du schnell auf einige Probleme stoßen, die du vermutlich nicht erwartet hast. Hier findest du einige Lösungen für diese Probleme und weitere gute Ideen, wie du schöne Fotos im Bereich Makrofotografie machen kannst.

Motivation und Vorteile von Makrofotografie

Eigentlich habe ich die Makrofotografie immer langweilig gefunden. Landschaften waren viel spannender. Das Spiel mit dem Sonnenlicht und dem Relief von Bergen, Hügeln und Ebenenen. Gewässer mit all ihren Facetten und Stimmungen. Insekten und Blumen haben mich nicht interessiert. Doch dann hat sich alles verändert. Um Landschaften zu fotografieren, muss man reisen. Reisen können. Um Gewässer zu fotografieren, muss man welche besuchen. Nicht immer so einfach. Nicht immer so nachhaltig.

Deshalb der Versuch: Ein gebrauchtes Makroobjektiv bei eBay ersteigert. Und Schwups war sie da, die neue Leidenschaft. Das Tolle an der Makrofotografie ist, dass sie mit vergleichsweise wenig Technik und Ressourcen auskommt. Auch wenn die Anschaffung eines mehrere Hundert Euro teuren Makroblitzes beispielsweise zunächst einmal entsetztes Staunen erzeugt. Doch nach und nach wirst du merken, dass du eigentlich nicht so viel brauchst, um Makrofotografien anzufertigen. Das meiste davon findest du direkt vor der Haustür (Insekten, Blüten, Spinnen) und anderes trägst du sowieso schon in dir (Geduld, Frustrationstoleranz, haha, ja, die wirst du brauchen!).

Du bist also nicht mehr so abhängig von deiner Reisefähigkeit, von deinem Auto und von anderer teurer und zeitaufwändiger Logistik. Du wirst – ganz anders als in der Landschaftsfotografie – merken, dass du in der Makrofotografie relativ unabhängig von Tageszeiten, blauen und roten Stunden und dem Wetter bist. Du brauchst keine Langzeitbelichtungen. Und auf vieles von deiner Ausrüstung kannst du verzichten. Seien es Filter, Stative oder zig verschiedene Festbrennweiten.

Die richtige Ausrüstung für die Makrofotografie

Für die ersten erfolgreichen Schritte in der Makrofotografie brauchst du im Wesentlichen drei Dinge:

  1. Die Kamera
  2. Ein Makroobjektiv
  3. Ein geeignetes Blitzgerät

Im Grunde reichen auch die ersten beiden Ausrüstungsgegenstände. Warum ich das Blitzgerät mit in die Liste aufnehme, erfährst du weiter unten. Denn am Anfang gilt es in der Makrofotografie, Frust zu vermeiden und deine Freude an dieser Fotografiertechnik zu fördern.

Das Bild zeigt die Makrofotografie einer Schwebfliege auf einer Margerite.
Das Bild zeigt die Makrofotografie einer Schwebfliege auf einer Margerite. Damit du einen Vergleich hast, welche Einstellungen ich an meiner Kamera vorgenommen habe, hier die Daten: f/16, 100mm, ISO 800, 1/250s

Die richtige Kamera für die Makrofotografie

Grundsätzlich ist jede gängige digitale Spiegelreflexkamera gut für die Makrofotografie geeignet. Egal, ob Vollformat oder APS-C. Hauptsache, du kannst ein Makroobjektiv verwenden. Außerdem sind alle Systemkameras mit Wechselobjektiven und Bridge-Kameras mit Nahbereich für die Makrofotografie geeignet. Inzwischen gibt es sogar Smartphone-Kameras, die fähig sind, den Nahbereich abzubilden.

Per Definition fällt alles zwischen einem Abbildungsmaßstab von 1:10 bis zu einem Abbildungsmaßstab von 10:1 in den Bereich der Makrofotografie. Dazu gibt es sogar eine deutsche Industrienorm DIN 19040, die genau dies besagt. Ein Abbildungsmaßstab von 1:1 bedeutet, dass das Objekt auf dem Sensor abgebildet genauso groß ist wie in echt. 1:1 ist also ein absolut typischer Abbildungsmaßstab in der Makrofotografie.

Ich habe irgendwo gelesen, dass kleinere Sensoren prinzipiell besser für die Makrofotografie seien, da bei gleichem Abbildungsmaßstab weniger vom Objekt auf den Sensor passe. Das halte ich für Unsinn, denn auf dem größeren Sensor ließe sich ja in gleicher Auflösung ein entsprechender Ausschnitt wählen. Doch ich lasse mich gern eines Besseren belehren, wenn es mir jemand erklärt.

Das Makroobjektiv

Ein Makroobjektiv ist eine spezielle Form von Objektiv und für die Makrofotografie zwingende Voraussetzung. In der Regel kannst du Makroobjektive im Brennweitenbereich von 40 bis 105 Millimetern finden. Die Naheinstellgrenze ist bei Makroobjektiven sehr viel geringer als bei anderen Objektiven. Das heißt, du kannst deutlich näher an das Objekt heran. Das ist natürlich manchmal aus ganz anderen Gründen schwierig. Zum Beispiel Insekten suchen gerne das weite, wenn sie zum Gegenstand der Makrofotografie werden sollen.

Der Vorteil von Makroobjektiven mit höherer Brennweite ist, dass du nicht ganz so nahe an das Objekt heran musst, um denselben Abbildungsmaßstab zu erreichen. Das ist insbesondere bei schreckhaften Tieren nicht zu verachten. Ich neige aber trotzdem dazu, Makroobjektiven mit kleinerer Brennweite den Vorzug zu geben. Es ist sehr viel leichter, die Hand ruhig zu halten. Mehr dazu findest du weiter unten in den Schwierigkeiten bei der Makrofotografie.

Ein Makroblitzgerät

Eine Wissenschaft für sich sind Makro-Blitze. Du wirst schnell merken, dass herkömmliche Aufsteck-Blitze für die Makrofotografie nur bedingt geeignet sind. Entweder sie überblenden das Motiv oder die Schatten fallen ungünstig. Es kann sogar vorkommen, dass das Motiv selbst im Schatten des eigenen Objektivs liegt. Deshalb gibt es eine Reihe von speziell für die Makrofotografie entwickelten Blitzgeräten. Die Lichtquelle befindet sich dann meist ringförmig um das Objektiv oder rechts und links seitlich des Objektivs. Dementsprechend heißen solche Makro-Blitze Ringblitz oder Zangengblitz.

Der Vorteil solcher Blitzgeräte ist, dass du darauf verzichten kannst, das Motiv umständlich mit externen Blitzen auszuleuchten. Der Nachteil ist, dass diese Geräte sehr teuer sind. Der originale Nikon-Zangenblitz kostet derzeit rund 700 Euro, das ist eine harte Ansage. Ich selbst sammle gerade Erfahrungen mit der günstigeren Variante von Sigma und bin bisher mit den Resultaten einigermaßen zufrieden.

Schwierigkeiten bei der Makrofotografie

Wenn du dich nun also mit der Makrofotografie beschäftigen willst, dann eins vorweg: Lass dich von den ersten Ergebnissen nicht entmutigen. Gib nicht auf! Denn schnell wirst du feststellen, dass zwei Wesenszüge für die Makrofotografie von entscheidendem Vorteil sind: Geduld und ein guter Umgang mit Frust. Denn du wirst Ewigkeiten brauchen, bis du gute Ergebnisse erzielst und du wirst einen enormen Ausschuss an Fotografien haben.

In meiner Anfangszeit war es nicht ungewöhnlich, dass von 100 Bildern nur ein oder zwei gut waren. Du liegst also stundenlang im Gebüsch, machst Hunderte von Fotos und klickst später bei der Entwicklung 98% davon direkt in den Papierkorb. Der Grund ist meistens Unschärfe oder Dunkelheit.

Die große Krux der Makrofotografie: der Schärfebereich

Schnell wirst du merken, dass eine Größe in der Makrofotografie eine Rolle spielt, der du bisher vermutlich eher selten große Beachtung geschenkt hast: der Schärfebereich.

Fotografierst du bei Blende 8 im Abbildungsmaßstab 1:1, hast du bereits einen Schärfebereich von unter 1 mm. Da hat der Spaß schnell ein Loch.

Diese und ähnliche Berechnungen kannst du zum Beispiel mit dem Rechner unter dem folgenden Link anstellen: Schärfentieferechner bei crosslens.de

Mit der Zeit wirst du lernen, wie du deine Hand ruhig hältst und wie du viele Bilder hintereinander machst, um möglichst einmal die Stelle deines Motivs scharf zu haben, die du scharf haben möchtest. Und genau das ist einer der Gründe, warum ich lieber mit dem kleineren Makroobjektiv arbeite. Es lässt sich ruhiger halten. Denn selbst das kleinste Wackeln katapultiert deine Schärfeebene an den Arsch der Welt und das Foto gehört zu den 98 Prozent.

Kleiner Tipp: Wenn du die Motive, die du fotografieren willst, so im Bildausschnitt positionierst, dass sie möglichst parallel zur Sensorebene stehen, dann hast du automatisch auch einen größeren Teil des Motivs im Schärfebereich.

Chronischer Lichtmangel

Achtung, in der Makrofotografie herrscht chronischer Lichtmangel. Und das nicht nur, weil du ständig unter Büschen und Sträuchern herumkriechst, um Insekten oder geheimnissvolle Blüten zu finden. Auch die Sache mit dem Schärfebereich bohrt ihren Finger noch tief in diese Wunde. Denn um den Schärfebereich nicht noch kleiner werden zu lassen, möchtest du natürlich möglichst mit geschlossener Blende (also hoher Blendenzahl) fotografieren. Das Öffnen der Blende mag ja sonst ein adäquates Mittelchen sein, auf schlechte Lichtverhältnisse zu reagieren. In der Makrofotografie nicht. Wenn du nachher nicht mal mehr das linke Auge einer Wespe vollständig scharf bekommst, weißt du, warum du hier nichts verschenken solltest.

Deshalb rate ich zum konsequenten Einsatz des Makroblitzgeräts. Damit sollte der chronische Lichtmangel Vergangenheit sein. Mit einem qualitativ hochwertigen Makro-Blitz hast du auch nicht zu viele durch den Blitz verursachte Spitzlichter und kannst kreative Einstellungen vornehmen. Beim oben genannten Sigma-Blitz kannst du zum Beispiel einstellen, ob die linke Seite oder die rechte Seite beleuchtet werden soll.

Übrigens macht es auch nicht so richtig Sinn, die Blende allzuweit zu schließen. Zwar hast du dann einen größeren Schärfebereich. Aber dafür wird die Beugungsunschärfe größer. Mehr darüber kannst du zum Beispiel hier lesen. Ein guter Mittelweg sind Blendenzahlen zwischen 4 und 8.

Hilfe! Alles bewegt sich

In Kombination mit dem kleinen Schärfebereich ist jede noch so winzige Bewegung deines Motivs ein Bildzerstörer. Und deshalb wirst du früher oder später den Punkt erreichen, an dem du in der Wiese sitzt und bei jedem Rütteln des Windes laut fluchst. Dann bist du ein echter Makrofotograf!

Am besten geeignet für das Anfertigen von Makrofotografien sind also windstille Tage ohne Regen – denn auch Regen erzeugt überall Bewegung.

Ich mache meine Makrofotos am liebsten Freihand. So kann ich wenigstens noch ein bisschen auf die Bewegungen meiner Motive reagieren. Deshalb habe ich das Stativ auch nicht oben bei der Makrofotografie-Ausrüstung genannt.

Falls du Insekten vergleichsweise reglos antreffen willst, such die frühmorgens oder spätabends. Denn nachts klammern sie sich manchmal an Grashalme oder andere Pflanzen, wenn sie in Kältestarre verfallen. Und töte bloß keine Insekten, damit sie reglos werden. Erstens ist das Mord und zweitens sieht man den Tierchen an, wenn sie tot sind. Und niemand will Leichen in deinen Makrofotografien sehen.

Wenn du nicht immer nur auf gut Glück in den Garten gehen willst, um Bilder zu machen, schau doch mal in einen Insektenführer. Finde heraus, zu welcher Tages- und Jahreszeit welche Insekten wo anzutreffen sind und mach dich gezielt auf die Suche.

Übrigens schwören viele Fotografierende darauf, in der Makrofotografie den manuellen Fokus zu verwenden. Ich halte davon irgendwie nichts. Denn ich finde es noch schwieriger, in diesem minimalen Schärfebereich von Hand den richtigen Schärfepunkt zu finden, als dass ich meinem Autofokus diese Aufgabe übertrage. Der schafft das wenigstens in etwa einem von zehn Fällen.

Profi-Tipps zur Makrofotografie

Ein Weg, der geringen Schärfentiefe in der Makrofotografie zu begegnen, ist das sogenannte Focus-Stacking. Bei dieser Methode fotografierst du ein und dasselbe Objekt mehrere Male. Dabei verschiebst du die Schärfeebene jeweils ein kleines bisschen, sodass am Ende jeder Bereich des Objekts auf einem der Bilder mal scharf war. Anschließend legst du die Einzelbilder per Software übereinander und die Software rechnet dir ein Bild zusammen, in dem das Objekt überall scharf ist.

Das ist natürlich nicht ganz trivial und erfordert einiges Geschick. Selbstverständlich müssen alle Einzelbilder aus exakt derselben Perspektive und mit exakt denselben Einstellungen gemacht werden. So ähnlich, wie wenn du ein HDR anfertigen willst, wobei sich da selbstverständlich die Belichtungszeit ändert.

An Software für das Fokus-Stacking gibt es verschiedene Lösungen. Sie heißen zum Beispiel Helicon Focus oder Zerene Stacker. Auch Adobe Photoshop beherrscht es.

Mir ist das mit dem Focus Stacking im Moment zu aufwändig und zu technisch. Es macht mir nicht genug Spaß, mich stundenlang mit der Software auseinanderzusetzen. Deshalb versuche ich, meine Makrofotografien so zu gestalten, dass der geringe Schärfebereich ein Stilmittel ist.

Ein ganz wichtiger Punkt ist auch in der Makrofotografie die Perspektive. Es ist sterbenslangweilig, die gleiche Fliege zum zweihundertfünfzigsten Mal von oben zu sehen, wie sie auf einem Gänseblümchen sitzt. Wirf dich auf die Erde, wälze dich im Dreck. Kletter auf Bäume, kriech unter Hecken. Dann wird dein Makrofoto interessant und aufregend.

Interessante Seiten und Material

Viele hilfreiche Informationen findest du auf der Seite MAKROTREFF. Du erreichst die Seite unter dem folgenden Link: makro-treff.de

Ein paar Ideen abseits der Natur findest du vielleicht unter dem folgenden Link: fotoschule.fotocommunity.de/makrofotografie-auf-der-suche-nach-strukturen/

Beispiele für Makrofotografien

Jetzt zeige ich dir noch einige meiner Werke aus der Makrofotografie mit den entsprechenden Bilddaten. So kannst du erkennnen, wie bestimmte Einstellungen deiner Kamera aussehen können. Wenn du noch mehr Fotos aus der Makrofotografie sehen willst, schau doch auch mal hier bei meinen Blumenbildern vorbei.

Das Bild zeigt die Makrofotografie einer Raupe, die von einem Blatt herunterschaut.
Das Bild zeigt die Makrofotografie einer Raupe, die von einem Blatt herunterschaut. f/8, 100mm, ISO 800, 1/160s
Das Bild zeigt die Makrofotografie einer Ameise, die aus der Knospe einer Pfingstrose schlürft.
Das Bild zeigt die Makrofotografie einer Ameise, die aus der Knospe einer Pfingstrose schlürft. f/8, 40mm, ISO 800, 1/250s
Mal eine andere Perspektive. Das Bild zeigt das Makro einer Ameise auf einer Knospe.
Mal eine andere Perspektive. Das Bild zeigt das Makro einer Ameise auf einer Knospe.f/14, 100mm, ISO 800, 1/250s
Das Bild zeigt die Makrofotografie einer Biene ebenfalls auf der Knospe einer Pfingstrose.
Das Bild zeigt die Makrofotografie einer Biene ebenfalls auf der Knospe einer Pfingstrose. f/8, 40mm, ISO 1600, 1/250s
Im Bild ist eine Wespe zu sehen, die auf einer Blüte herumklettert und dabei immer wieder abrutscht.
Im Bild ist eine Wespe zu sehen, die auf einer Blüte herumklettert und dabei immer wieder abrutscht. f/8, 100mm, ISO 100, 1/250s
Im diesem Bild ist eine schwarze Ameise auf der schon bekannten Pfingstrose zu sehen.
Im diesem Bild ist eine schwarze Ameise auf der schon bekannten Pfingstrose zu sehen. f/10, 40mm, ISO 1400, 1/250s
Im Bild befindet sich ein unbekannter Käfer, der mich von seinem Blatt aus anstarrt.
Im Bild befindet sich ein unbekannter Käfer, der mich von seinem Blatt aus anstarrt. f/8, 100mm, ISO 100, 1/250s
Im Bild ist die Makrofotografie einer Fliege auf einer Margerite im Regen zu sehen.
Im Bild ist die Makrofotografie einer Fliege auf einer Margerite im Regen zu sehen. f/8, 40mm, ISO 100, 1/250s